Inhaltsverzeichnis chevron-down

Lämmer füttern – das klingt einfach, stellt aber sowohl erfahrene Landwirte als auch engagierte Hobbyhalter immer wieder vor neue Herausforderungen. Die ersten Lebenswochen sind entscheidend für die Gesundheit und Entwicklung von Schaf- und Ziegenlämmern. Ob kleine Hobbyherde oder größerer Betrieb, die richtige Lämmerfütterung ist der Schlüssel zu robusten, vitalen Tieren. Im Alltag zeigt sich jedoch: Die Fütterung von Lämmern bringt oft mehr Fragen mit sich, als man zunächst denkt.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Lämmer in den ersten Lebenswochen optimal füttern, welche Aspekte besonders wichtig sind und wie Sie typische Fehler vermeiden.

Biologische und anatomische Grundlagen der Lämmerernährung

Bevor es an die praktische Fütterung geht, lohnt sich ein Blick auf die biologischen Grundlagen – denn nur wer die Bedürfnisse von Lämmern versteht, kann sie optimal versorgen.

Verdauungstrakt beim Lamm: Labmagen, Pansen & Umstellung zum Wiederkäuer

Schafe und Ziegen gehören – wie auch Rinder – zu den sogenannten Wiederkäuern. Ihr Verdauungssystem ist auf die Verwertung von rohfaserreichem Pflanzenmaterial spezialisiert und besteht aus vier Mägen: Pansen, Netzmagen, Blättermagen und Labmagen. Dank dieses speziellen Verdauungssystems können Wiederkäuer auch nährstoffarmes Futter effizient verwerten.

Infobox: Die vier Mägen der Wiederkäuer – kurz erklärt

  • Pansen: Der größte Vormagen erfüllt die Funktion einer Gärkammer. Hier wird Futter durch Mikroorganismen vorverdaut und in seine Bestandteile zerlegt.
  • Netzmagen: Arbeitet eng mit dem Pansen zusammen. Hier werden kleinere Futterpartikel gesammelt und grobe Anteile zum Wiederkauen zurückgeschickt.
  • Blättermagen: Entzieht dem vorverdauten Nahrungsbrei Wasser und presst ihn weiter aus.
  • Labmagen: Entspricht dem „echten“ Magen. Hier werden Nährstoffe mithilfe von Enzymen und Magensäure endgültig verdaut – ähnlich wie beim Menschen.

Bei neugeborenen Lämmern und Ziegenkitzen ist dieses System jedoch noch nicht voll funktionsfähig. Direkt nach der Geburt ist vor allem der Labmagen aktiv, während Pansen, Netzmagen und Blättermagen noch sehr klein und kaum entwickelt sind. Die Milch wird beim Saugen über den sogenannten Schlundrinnenreflex direkt am Pansen vorbei in den Labmagen geleitet. Dort kann sie optimal verdaut werden. Das ist lebenswichtig, denn wenn Milch im unreifen Pansen landet, führt dies zu Verdauungsproblemen.

Mit der Aufnahme von festem Futter – zunächst Heu, später auch Kraftfutter – beginnt der Pansen zu wachsen und übernimmt nach und nach die Hauptrolle bei der Verdauung. Dabei entstehen die sogenannten Pansenzotten: Sie vergrößern als fingerförmige Ausstülpungen die Oberfläche des Pansens und ermöglichen so eine effiziente Nährstoffaufnahme. Gleichzeitig siedeln sich nach und nach die wichtigen Mikroorganismen an, die für die Fermentation der Nahrung unverzichtbar sind.

Wichtig:

Die stark ausgeprägten Pansenzotten bilden sich in den ersten 6-8 Lebenswochen und sind sehr wichtig für die spätere Verdauung.

Die Umstellung vom Monogastrier (Einmagen-Tier) zum funktionierenden Wiederkäuer ist ein entscheidender Entwicklungsschritt und legt die Basis für eine gesunde Aufzucht.

Energie- und Nährstoffversorgung in den ersten Lebenswochen

In den ersten Lebenswochen wachsen Lämmer und Ziegenkitze rasant – entsprechend hoch ist ihr Energie- und Nährstoffbedarf. Besonders wichtig sind in dieser Zeit hochwertiges Eiweiß, Energie und Mineralstoffe, die fast ausschließlich über die Muttermilch aufgenommen werden. Die wichtigsten Unterschiede zwischen Schaf-, Ziegen- und Kuhmilch zeigen sich im Gehalt an Trockenmasse, Fett, Eiweiß und Energie. Trockenmasse meint dabei alles, was nach dem Verdampfen des Wassers in der Milch übrig bleibt – also Fett, Eiweiß, Milchzucker und Mineralstoffe zusammen. Je mehr Trockenmasse, desto „nährstoffreicher“ und energiereicher ist die Milch.

Tierart Trockenmasse (g)  Energie (kJ)  Fett (g)  Eiweiß (g) 
Schaf 18,16 430 7,08 5,61
Ziege 11,34 240 3,23 2,83
Rind 12,70 280 4,00 3,30

Eigene Tabelle basierend auf Daten aus Wehrmüller et al., Agroscope Liebefeld-Posieux

Schafmilch zeichnet sich durch einen besonders hohen Energiegehalt aus: Sie enthält deutlich mehr Fett und nahezu doppelt so viel Eiweiß wie Ziegen- oder Kuhmilch. Auch der Energiegehalt liegt mit 430 kJ pro 100 ml deutlich über dem von Kuh- (280 kJ) und Ziegenmilch (240 kJ). Ziegenmilch gilt als leicht verdaulich, liefert aber insgesamt weniger Fett, Eiweiß und Energie.

Mit zunehmendem Alter und den ersten Versuchen, an Heu oder Kraftfutter zu knabbern, nimmt die Bedeutung der Milch langsam ab. In den ersten Lebenswochen bleibt sie jedoch die wichtigste Nährstoffquelle.

Kolostrumversorgung - wichtig für den optimalen Start

Ein gelungener Start ins Leben hängt bei Neugeborenen maßgeblich von der ersten Milch ab. Die sog. Biestmilch ist weit mehr als nur Nahrung und bildet die Grundlage für die Gesundheit der Jungtiere.

Was ist Kolostrum und warum ist es für Neugeborene lebenswichtig?

Kolostrum, auch Biestmilch genannt, ist die erste Milch, die das Muttertier nach der Geburt produziert. Sie enthält viele Nährstoffe, vor allem aber eine hohe Konzentration an Antikörpern (Immunglobulinen) und viel Energie. Diese Antikörper sind für das neugeborene Lamm lebenswichtig, da das Immunsystem zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift ist und das Lamm keine eigenen Abwehrstoffe besitzt-

Die Aufnahme von Kolostrum muss in den ersten 4 Stunden nach der Geburt erfolgen, weil nur in diesem kurzen Zeitraum die Darmwand des Lamms durchlässig für die großen Antikörpermoleküle ist. Bereits nach wenigen Stunden schließt sich diese „Immunitätslücke“: Die Aufnahmefähigkeit nimmt rapide ab und das Lamm kann die wichtigen herdenspezifischen Schutzstoffe nicht mehr vollständig verwerten. Ohne ausreichende Kolostrumaufnahme ist das Risiko für Infektionen und Erkrankungen in den ersten Lebenstagen deutlich erhöht.

Kolostrumgabe: Praxis-Tipps für die Lämmerfütterung

In der Praxis ist es wichtig, die Kolostrumaufnahme von Neugeborenen gezielt zu kontrollieren – besonders bei Mehrlingsgeburten, schwachen oder zurückhaltenden Tieren. Nicht jedes Lamm findet von allein schnell zur Mutter oder kann selbstständig trinken. Deshalb sollten die Lämmer in den ersten Lebensstunden aufmerksam beobachtet und, falls nötig, gezielt unterstützt werden.

Kann ein Lamm nicht selbstständig saugen, sollte Biestmilch möglichst zeitnah abgemolken und dem Lamm portionsweise über eine Flasche oder – falls nötig – vorsichtig mit einer Magensonde verabreicht werden.

Wie viel Kolostrum braucht ein Lamm?

Die Kolostrumgabe in den ersten Stunden sollte auf mehrere kleine Portionen verteilt werden, um die Verdauung nicht zu überlasten:

Zeitraum Empfohlene Kolostrummenge pro kg Gesamtmenge bei 5 kg Lamm
Erste 6 Lebensstunden 50–100 ml/kg 250–500 ml
Erste 24 Stunden 200–250 ml/kg 1.000–1.250 ml


So erhalten auch schwächere Lämmer und Ziegenkitze den lebenswichtigen Immunschutz. Jede Verzögerung bei der Kolostrumgabe erhöht das Risiko für Infektionen und schwächt die Überlebenschancen des Lamms deutlich.

Kolostrum-Qualität erkennen und sichern

Die Qualität der Biestmilch ist entscheidend für den Immunschutz des Lamms. Gutes Kolostrum erkennt man an einer dickflüssigen, cremigen Konsistenz und einer gelblichen bis goldgelben Farbe – je intensiver die Farbe, desto höher meist der Gehalt an Antikörpern und Nährstoffen. Dünnes, wässriges oder sehr helles Kolostrum weist oft auf eine geringere Qualität hin.

Eine weitere Möglichkeit, die Kolostrumqualität einzuschätzen, ist der Einsatz eines Refraktometers. Dieses einfache Messgerät bestimmt den sogenannten Brix-Wert, der Rückschlüsse auf die Konzentration der enthaltenen Antikörper zulässt. Ab einem Wert von etwa 22 % Brix gilt das Kolostrum als hochwertig. Für viele Halter ist das nicht unbedingt nötig, aber wenn Kolostrum eingefroren und später verwendet werden soll, ist diese Kontrolle besonders sinnvoll. 

Die Qualität der Biestmilch hängt auch vom Muttertier ab. Nur gesunde und gut gefütterte Schafe oder Ziegen geben ausreichend hochwertige Biestmilch. Achten Sie deshalb während der Trächtigkeit auf eine ausgewogene Fütterung, ausreichend Mineralstoffe, möglichst wenig Stress rund um die Geburt und auf empfohlene Impfungen gegen bestimmte Infektionskrankheiten, damit die Lämmer von Anfang an gut geschützt sind.

Alternativen bei Kolostrummangel

Ist frisches Kolostrum von der Mutter nicht oder nicht ausreichend verfügbar, kann auf eingefrorenes Kolostrum aus dem eigenen Bestand zurückgegriffen werden. Diese Biestmilch enthält weiterhin die wichtigen, herdenspezifischen Antikörper und ist daher die beste Alternative. Auch Rinderkolostrum kann im Notfall verwendet werden, bietet jedoch keinen vollständigen Schutz gegen die in der eigenen Herde vorkommenden Krankheitserreger.

Als weitere Möglichkeit stehen spezielle Kolostrum-Ersatzprodukte zur Verfügung. Diese versorgen das Lamm zwar mit Energie und Nährstoffen, enthalten aber meist keine oder nur sehr wenige herdenspezifische Antikörper. Ersatzprodukte sollten immer ausdrücklich für Schaf- oder Ziegenlämmer geeignet sein.

Milchfütterung in den ersten Lebenswochen

Nach der Kolostrumphase ist die Milchfütterung das zentrale Thema für die gesunde Entwicklung von Lämmern und Ziegenkitzen. Doch gerade in dieser Phase schleichen sich oft Fehler ein, die später zu Problemen führen können.

Lämmer füttern: Muttermilch oder Milchaustauscher?

Für die meisten Lämmer und Kitze ist die Muttermilch die beste und natürlichste Versorgung. Sie ist optimal auf die Bedürfnisse der Jungtiere abgestimmt und enthält alle wichtigen Nährstoffe sowie Abwehrstoffe gegen Krankheiten.

Steht Muttermilch jedoch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung – etwa bei verwaisten Lämmern, Milchmangel oder großen Würfen – bieten hochwertige Lämmermilchpulver (Milchaustauscher, MAT) eine sehr gute Alternative. Moderne MAT-Produkte sind speziell auf die Bedürfnisse von Schaf- und Ziegenlämmern abgestimmt und ermöglichen eine sichere, ausgewogene Versorgung, selbst wenn die natürliche Aufzucht nicht möglich ist.

Auch wenn Muttermilch unübertroffen bleibt, können hochwertige Milchaustauscher die Jungtiere zuverlässig mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Wichtig ist, ausschließlich Produkte zu verwenden, die ausdrücklich für Schafe oder Ziegen geeignet sind.

Fütterungsmanagement in den ersten Tagen

In den ersten Lebenstagen benötigen Lämmer mehrere kleine Milchmahlzeiten über den Tag verteilt. Mit zunehmendem Alter werden die Milchportionen größer, dafür sinkt die Anzahl der täglichen Mahlzeiten.

Alter Mahlzeiten pro Tag Abstand Menge pro Mahlzeit Tagesmenge
1. Tag 6 2 h 50 ml 300 ml
2-3 Tag 5 3 h 70 ml 350 ml
4-5 Tag 3 4 h 120 ml 360 ml
6-10 Tag 3 4 h 250 ml 750 ml
11-21 Tag 2 12 h 500 ml 1000 ml
4-8 Woche 2 12 h 500-750 ml 1000–1500 ml

Tabelle modifiziert nach Jilg, LAZBW Aulendorf

Infobox: Die richtige Temperatur der Milchtränke

Die Milch sollte immer etwa Körpertemperatur haben (ca. 39 °C). Ist sie zu kalt, kann das zu Verdauungsproblemen oder Durchfall führen. Zu heiße Milch kann die Schleimhäute schädigen und wird oft verweigert. EEin einfaches Küchenthermometer oder ein Test mit ein paar Tropfen auf dem Handgelenk helfen, die Temperatur zu kontrollieren.

Welche Fütterungssysteme für Lämmer gibt es?

Für die Milchfütterung von Lämmern stehen verschiedene Systeme zur Auswahl:

  • Flasche mit Nuckel: Besonders geeignet für einzelne oder schwache Lämmer, ermöglicht gezielte Kontrolle und Betreuung.
  • Nuckeltränke oder Tränkeeimer: Mehrere Lämmer können gleichzeitig trinken. Praktisch für kleine bis mittlere Gruppen, weniger zeitaufwendig als Flaschenfütterung.
  • Tränkeautomat: Ideal für größere Bestände. Automatische Dosierung, auch für größere Gruppen geeignet. Teilweise auch Kalttränke möglich (nur für ältere, kräftige Lämmer geeignet).

Infobox: Hygiene bei der Milchfütterung
Saubere Fütterungsutensilien sind die beste Vorsorge gegen Durchfall und Krankheiten bei Lämmern. Schon kleine Milchreste oder Schmutz bieten Keimen ideale Bedingungen. Flaschen, Nuckel, Eimer und Automaten sollten nach jeder Fütterung gründlich gereinigt werden. Regelmäßiges Auskochen oder Desinfizieren schützt vor Problemen – besonders, wenn mehrere Lämmer gemeinsam aufgezogen werden.

Typische Probleme bei der Milchfütterung

Trotz aller Sorgfalt können bei der Milchfütterung verschiedene Schwierigkeiten auftreten. Besonders in den ersten Tagen sind Lämmer anfällig für Probleme – schnelles Erkennen und gezielte Maßnahmen sind dann entscheidend.

Trinkschwache Jungtiere

Trinkschwache Lämmer suchen selten aktiv das Euter auf oder trinken nur langsam und wenig. Häufige Ursachen sind Unterkühlung, zu schwierige oder lange Geburten (Geburtsstress), Infektionen oder Schwäche durch ein niedriges Geburtsgewicht.

Tipps bei trinkschwachen Lämmern:

  • Wärme zuführen: Lämmer nach der Geburt abtrocknen und warm halten (z. B. mit Wärmelampe).
  • Kolostrumgabe sicherstellen: Falls das Lamm nicht selbst trinkt, Biestmilch abmelken und per Flasche oder Sonde eingeben.
  • Regelmäßig anlegen: Das Lamm immer wieder ans Euter oder an die Flasche setzen und sanft zum Saugen animieren.
  • Schwächeursachen prüfen: Auf Anzeichen von Infektionen, Verletzungen oder Missbildungen achten und ggf. frühzeitig einen Tierarzt hinzuziehen.

Durchfall (Neonatale Diarrhoe)

Durchfall bei Lämmern in den ersten Lebenswochen ist ein häufiges Problem und kann schnell lebensbedrohlich werden. Die wichtigsten Ursachen sind Fütterungsfehler (z. B. zu große Milchmengen, zu kalte oder zu heiße Milch), mangelnde Hygiene bei der Milchfütterung sowie infektiöse Erreger (z. B. E. coli, Cryptosporidien, Kokzidien).

Tipps bei Durchfall von neugeborenen Lämmern:

  • Fütterung überprüfen (bei künstlicher Milchfütterung): Milchmenge und -temperatur kontrollieren und keine zu großen Portionen geben.
  • Hygiene verbessern: Tränkeutensilien besonders gründlich reinigen und desinfizieren. Außerdem nur saubere Milch verwenden.
  • Lamm warm halten: Unterkühlung vermeiden, da durch Durchfall der Wärmeverlust steigt.
  • Warnzeichen erkennen: Achten Sie auf Austrocknung (eingefallene Augen, trockene Schleimhäute, stehende Hautfalte), Schwäche, Futterverweigerung oder blutigen Kot – in diesen Fällen sollte zeitnah ein Tierarzt hinzugezogen werden.
  • Elektrolytlösung als Überbrückung: Bei schwerem oder länger anhaltendem Durchfall kann eine Elektrolytlösung helfen, den Flüssigkeitsverlust zu überbrücken, bis tierärztliche Hilfe verfügbar ist.

Wichtig: Wann ist tierärztlicher Rat sinnvoll?

Nicht jeder Durchfall ist gleich ein Notfall – leichte Fälle lassen sich oft in den Griff bekommen. Wenn der Durchfall jedoch länger anhält, das Lamm schwächer wird, Fieber oder blutigen Kot zeigt oder weitere Lämmer betroffen sind, ist tierärztlicher Rat gefragt. Gerade bei Verdacht auf eine Infektion lohnt es sich, frühzeitig Unterstützung einzuholen. Das hilft, Komplikationen zu vermeiden und die Herde bestmöglich zu schützen.

Verwaiste Lämmer

Wenn ein Lamm von seiner Mutter nicht angenommen wird oder das Muttertier ausfällt, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Lamm kann einer anderen Schaf- oder Ziegenmutter – einer sogenannten Amme – unterstellt werden oder es wird mit der Flasche aufgezogen.

Tipps für eine erfolgreiche Adoption bei der Amme:

  • Amme sollte gerade selbst gelammt haben oder ein eigenes Lamm verloren haben und noch Milch geben
  • Tiere mit ausgeprägtem Mutterinstinkt wählen
  • Das fremde Lamm möglichst früh zur Amme setzen
  • Lamm mit dem Geruch ihres eigenen (lebenden oder verstorbenen) Lamms einreiben
  • Ggf. Lamm gemeinsam mit dem eigenen Lamm der Amme anlegen
  • Geduldig beobachten – nicht jede Amme nimmt ein fremdes Lamm sofort an, manchmal sind mehrere Versuche nötig

Eine Flaschenaufzucht ist sinnvoll, wenn keine passende Mutter zur Verfügung steht oder die Annahme durch eine Amme nicht gelingt. Sie ermöglicht eine gezielte Versorgung, erfordert aber viel Zeit und Sorgfalt. Vorteil der Aufnahme bei einer anderen Mutter ist die natürlichere Entwicklung und oft bessere Sozialisation des Lamms. Die Flaschenaufzucht bietet Flexibilität, ist aber arbeitsintensiv und birgt ein höheres Risiko für Verdauungsprobleme.

Feste Nahrung bei Lämmern: Richtige Zufütterung für optimale Pansenentwicklung

Mit dem Start in die feste Nahrung stellen Lämmer die Weichen für ihre spätere Verdauung. Je früher sie Heu und Starterfutter kennenlernen, desto besser entwickelt sich der Pansen.

Ab wann Lämmer mit Heu und Starterfutter füttern?

Ab etwa der zweiten Lebenswoche sollten Lämmer jederzeit Zugang zu frischem Heu und speziellem Starterfutter haben. Rohfaserreiches Futter wie Heu regt das Kauen an und fördert die Entwicklung des Pansens – so werden die Lämmer zu gesunden Wiederkäuern.

Sobald Lämmer anfangen, Interesse an festem Futter zu zeigen, ist das richtige Angebot entscheidend. Bei muttergebundener Aufzucht steht Heu meist ohnehin zur freien Verfügung. Werden Lämmer oder Zicklein separat gehalten, sollte Heu ab der zweiten Lebenswoche immer frei verfügbar und nicht rationiert werden. Starterfutter sollte ebenfalls ab der zweiten Lebenswoche in kleinen, frischen Portionen bereitstehen.

Gerade zu Beginn wird nur wenig gefressen, aber ein kontinuierliches, ansprechendes Angebot fördert die Entwicklung optimal.

Infobox: Was ist Starterfutter? 

Starterfutter ist ein hochwertiges, leicht verdauliches Kraftfutter, das speziell auf die Bedürfnisse junger Lämmer abgestimmt ist. Es enthält viel Energie, Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe und fördert die Entwicklung des Pansens, indem es die Aufnahme von fester Nahrung und die Ansiedlung wichtiger Mikroorganismen unterstützt.

Förderung der Pansenentwicklung: Warum frühes Raufutter in den ersten Wochen entscheidend ist

Mit den ersten Bissen Heu beginnt die entscheidende Phase der Pansenentwicklung. Je eher sie Raufutter aufnehmen, desto schneller entwickelt sich ihr Pansen. Beim Kauen und Verdauen von Heu entstehen im Pansen Säuren, die das Wachstum der Pansenzotten anregen. Diese fingerförmigen Ausstülpungen vergrößern die Oberfläche und ermöglichen später eine effiziente Nährstoffaufnahme. Gleichzeitig siedeln sich durch das frühe Fressen nützliche Mikroorganismen im Pansen an, die für die Verdauung von pflanzlicher Nahrung unverzichtbar sind.

Häufige Fehler bei der Zufütterung

  • Raufutter zu spät oder nur zögerlich anbieten: Verzögert die Pansenentwicklung und erschwert die spätere Umstellung auf Festfutter.
  • Heu von ungeeigneter Struktur oder Qualität: Zu grobes, staubiges oder schimmeliges Heu wird von Lämmern schlecht angenommen und kann Verdauungsprobleme verursachen.
  • Starterfutter nicht lammgerecht: Zu energiereiches, pelletiertes oder schlecht verdauliches Futter kann zu Durchfall oder Pansenüberlastung führen.
  • Futterplatz nicht attraktiv oder schwer zugänglich: Lämmer orientieren sich am Fressverhalten der Mutter – ist das Futter zu weit entfernt, hoch angebracht oder unattraktiv, wird es kaum angenommen.
  • Futterwechsel zu abrupt: Eine plötzliche Umstellung (z. B. auf anderes Heu oder neues Kraftfutter) kann die empfindliche Verdauung stören und zu Problemen führen.
  • Hygiene bei Futter und Futterplatz vernachlässigt: Besonders bei jungen Lämmern können schon kleine Mengen Schmutz oder Keime zu Infektionen führen.

Optimal ins Leben durch passende Lämmerfütterung

Mit dem richtigen Gespür für die Bedürfnisse der Lämmer und etwas Know-how in der Fütterung steht einer erfolgreichen Aufzucht nichts im Wege. So wachsen aus kleinen Lämmern starke, gesunde Tiere, die Freude machen und die Zukunft der Herde sichern.