Die Schüttelbox-Analyse ist ein wichtiges Werkzeug, um die Struktur und Homogenität einer Totalen Mischration (TMR) zuverlässig zu beurteilen. In modernen Milchviehbetrieben entscheidet eine gleichmäßig gemischte, strukturwirksame Ration darüber, wie stabil der Pansen arbeitet – und damit über Milchleistung, Futtereffizienz, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit.
Eine unzureichend gemischte TMR führt schnell zu Selektieren, schwankendem Pansen-pH oder ungleichen Nährstoffaufnahmen. Die Folgen sind oft sinkende Milchfettgehalte, geringere Futteraufnahme oder Pansenbelastungen.
Die Schüttelbox macht solche Schwächen früh sichtbar. Durch das Sieben der Ration nach Partikellängen zeigt sie, ob Struktur, Kraftfutter und Feuchtigkeit passend verteilt sind und ob der Mischvorgang korrekt durchgeführt wurde. Besonders bei eigener Futterproduktion oder wechselnden Silagen ist die Analyse ein zuverlässiges Kontrollinstrument direkt am Futtertisch.
Warum Mischhomogenität entscheidend ist – und welche Faktoren sie beeinflussen
Eine homogene TMR stellt sicher, dass jede Kuh bei jeder Mahlzeit die gleiche Mischung aus Energie, Struktur und Nährstoffen erhält. Ist die Ration dagegen ungleichmäßig, beginnt die Herde zu selektieren. Das führt zu:
- schwankendem Pansen-pH
- höherem Acidoserisiko
- sinkenden Milchfettgehalten
- unruhigem Fressverhalten
- Leistungsverlusten bei rangniedrigen Tieren
Damit die Mischung stabil bleibt, müssen zentrale Faktoren passen:
Wichtige Einflussfaktoren auf die Mischqualität
Trockenmassegehalt
Zu trockene Rationen (> 45 % TM) fördern Selektieren und Entmischung.
Reihenfolge der Befüllung
Erst strukturreiche Komponenten, dann feuchte Anteile, zum Schluss Kraftfutter.
Mischzeit und Messerzustand
Zu kurze Mischzeiten oder stumpfe Messer erzeugen ungleichmäßige Partikelgrößen.
Füllgrad des Mischwagens
Überladene Wagen mischen schlechter, besonders Vertikalmischer.
Wasserzugabe
Ein TM-Gehalt von 40–45 % verbessert die Bindung und hält die TMR homogener.
Fazit für die Praxis
Je gleichmäßiger die Mischung, desto stabiler arbeitet der Pansen und desto geringer ist das Selektionsverhalten. Die Schüttelbox-Analyse zeigt schnell, ob die geplante Ration in der Praxis korrekt gemischt wird und ob Struktur und Partikelgrößen zur Leistung der Herde passen.


Die Schüttelbox – Funktionsweise & Bewertung der Mischqualität
Die Schüttelbox ist ein einfaches, aber sehr aussagekräftiges Werkzeug zur Kontrolle der Futterstruktur. Durch das Sieben der Ration auf mehreren Ebenen wird sichtbar, wie die Partikel verteilt sind – und ob die TMR so gemischt wurde, wie es geplant war.
Die Box trennt die Ration in drei bis vier Fraktionen:
- obere Ebene: lange Partikel und Strukturfaser
- mittlere Ebenen: mittelgrobe Bestandteile, typische Faserlängen
- untere Ebene: feine Bestandteile, Kraftfutter, Stärke
Die ideale Verteilung hängt von der Ration ab, orientiert sich aber häufig an folgenden Richtwerten (Penn State):
- 2–8 % in der oberen Siebebene
- 30–50 % in der mittleren Ebene
- 40–60 % im unteren Bereich
Weicht die Verteilung deutlich ab, zeigt die Schüttelbox sofort, an welcher Stelle Probleme entstehen – sei es durch zu grobe Silage, falsche Mischzeiten oder entmischte Futterkomponenten.
Besonders wertvoll ist die Analyse direkt am Futtertisch, da sie zeigt, was die Kühe tatsächlich vorfinden, nicht nur, was geplant war.
Futteranalyseverfahren – welche Analysen sind sinnvoll?
Um die tatsächliche Qualität der Ration beurteilen zu können, reicht die Strukturkontrolle allein nicht aus. Erst die Kombination aus chemischen Analysen und physikalischer Beurteilung ermöglicht ein vollständiges Bild der Fütterungssituation.
Wichtige Analyseverfahren:
Trockenmasse-Bestimmung (TM) : Erste Pflichtgröße. Sie beeinflusst die Futteraufnahme und die Mischbarkeit. Ideal sind regelmäßige TM-Kontrollen, besonders bei wechselnden Silageabschnitten.
Laboranalyse von Grundfutter: Ermittelt Energiegehalte, Rohfaser, Rohprotein, Stärke, Zucker, NDF/aNDFom und pH. Grundlage jeder Rationsberechnung.
NIR-Analyse : Schnelles, praxisnahes Verfahren – häufig direkt im Silocontrolling eingesetzt. Liefert verlässliche Daten in kurzer Zeit.
Verdaulichkeitsanalysen (uNDF240 / peNDF) : Für Milchviehbetriebe mit eigener Futterproduktion besonders relevant. Sie zeigen, wie gut Faseranteile im Pansen verwertet werden können.
Struktur- und Mischanalyse mit der Schüttelbox : Beurteilt die physikalische Struktur und die Homogenität der TMR.
Durch die Kombination dieser Verfahren entsteht ein genaues Bild, ob Ration, Mischqualität und Grundfutter optimal aufeinander abgestimmt sind.
Was bedeutet das für die Praxis? Häufige Probleme & Lösungen
In vielen Betrieben zeigt die Schüttelbox-Analysen häufige Schwachstellen auf. Diese lassen sich schnell erkennen und mit kleinen Anpassungen korrigieren.
Problem: Zu grobe Partikeloberfläche
Folge: Selektieren am Futtertisch, Leistungsschwankungen.
Lösung: Silageschnittlänge prüfen, Messer schärfen, Mischzeit anpassen.
Problem: Zu feine Ration
Folge: Acidosegefahr, niedrige Milchfettgehalte.
Lösung: Strukturanteile erhöhen, längerfasrige Futterkomponenten einbauen.
Problem: Entmischung durch zu trockene TMR
Folge: unterschiedliche Futteraufnahme, unruhige Herde.
Lösung: leichte Wasserzugabe, optimale TM-Zielbereiche einhalten.
Problem: Instabile Silagequalität
Folge: tägliche Schwankungen in Energie- und Fasergehalt.
Lösung: regelmäßige TM-Kontrollen, Silocontrolling nutzen, Silagekeil gleichmäßig entnehmen.
Diese Probleme treten in allen Betriebsgrößen auf – unabhängig von der Technik. Entscheidend ist, sie früh zu erkennen und strukturiert zu korrigieren.
Exkurs – Wirtschaftlichkeit: Was kostet schlechte Mischqualität wirklich?
Schon kleine Abweichungen in Struktur oder Mischqualität können erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Ein Beispiel aus Beratungsprojekten:
- 1 kg weniger TMR-Aufnahme pro Kuh/Tag
→ ca. 1,2–1,5 Liter weniger Milch
→ bei 100 Kühen = 120–150 Liter Verlust täglich
→ bei 0,40 €/Liter = 48–60 € pro Tag
Ungenutzte Futterbestandteile, sinkende Futtereffizienz oder Pansenstörungen verursachen zusätzliche Kosten. Eine Schüttelbox-Analyse kostet wenig – kann aber Fehlmischungen im hohen vierstelligen Bereich vermeiden.
So unterstützt JOSERA Ihren Betrieb
JOSERA verbindet die Schüttelbox-Analyse mit einer ganzheitlichen Beurteilung Ihrer Fütterung. So entstehen klare, praxisnahe Empfehlungen – direkt am Futtertisch.
Was JOSERA für Sie leistet:
- Analyse der Partikelstruktur und Mischqualität
- Abgleich mit der geplanten Ration
- Bewertung von Trockenmasse, Struktur und Mischvorgang
- Ergänzend: Silocontrolling und Futtermitteluntersuchung
- Ableitung konkreter Fütterungsanpassungen
- Produktempfehlungen für Pansenstabilität und Futtereffizienz
Der Vorteil: Sie erhalten nicht nur eine Analyse, sondern auch die passenden Lösungen – fachlich fundiert und direkt umsetzbar. So bleibt die TMR stabil, die Herde gleichmäßig versorgt und die Leistung im Betrieb gesichert.
FAQ zum Thema Schüttelboxanalyse
1. Wie oft sollte eine Schüttelbox-Analyse durchgeführt werden?
Empfohlen sind monatliche Kontrollen sowie nach jeder Rezeptänderung, neuen Silageabschnitten oder technischen Wartungen am Mischwagen.
2. Welche TMR-Werte gelten als ideal?
Typisch sind 2–8 % lange Partikel oben, 30–50 % mittlere Länge, 40–60 % feine Bestandteile. Abweichungen sollten geprüft und rationsbedingt bewertet werden.
3. Was tun, wenn die Kühe selektieren?
Trockenmasse prüfen, Ration leicht anfeuchten, Strukturanteile anpassen, Mischzeit verlängern und erneute Schüttelbox-Kontrolle durchführen.